Risikofaktor Humane Papillomviren (HPV)

Humane Papillomviren sind DNA-Viren, von denen es mehr als 100 unterschiedliche Typen gibt. Davon infizieren etwa 40 die Genitalschleimhäute.

Die genitalen HPV-Typen werden in zwei Gruppen eingeteilt:

Niedrigrisiko = Low-risk

Hochrisiko = High-risk

Low-risk Viren

HPV 6 und 11 = Hauptverursacher von Warzen im Genitalbereich. 

Weitere Low-risk Typen sind 40, 42, 43, 44, 54, 61, 70, 72, 81 und CP6108.

High-risk Viren

HPV 16 und 18 sind die Hauptverursacher von Zellveränderungen und Krebserkrankungen im Genitale.

Weitere High-risk Typen sind 25, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 53, 56, 58, 59, 66, 68, 73 sowie 82.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat 2005 die HPV-Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59 und 66 offiziell als krebserregend eingestuft.

Die High-risk Gruppen sind nicht nur an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt, sondern auch an Krebserkrankungen des Penis, der Vulva, des Anus und des Mundes.

Wichtig:

Eine Infektion mit HPV geschieht in der Regel über Geschlechtsverkehr und ist sehr häufig. Man geht davon aus, dass sich 70-80% aller Personen mit HPV infizieren. Bei über 90% der Personen mit einer HPV- Infektion verschwinden die Viren innerhalb eines Jahres wieder von alleine ohne einen Schaden angerichtet zu haben und ohne Beschwerden für die infizierte Person. Man kann den Erreger dann eigentlich nicht einmal mehr nachweisen.Bei 10% der infizierten Personen bleibt das Virus jedoch im Körper und vermehrt sich in den Zellen (Plattenepithel) des Gebärmutterhalses, der Vagina oder Vulva. Dadurch kann es zu Zellveränderungen (Dysplasien) kommen.

Dysplasien unterscheidet man zum einen nach dem Ort ihrer Entstehung (Vulva = VIN, Anus = AIN, Vagina = VaIN und Gebärmutterhals = CIN) und zum anderen nach dem Schweregrad.

In Abhängigkeit vom Ort und insbesondere dem Schweregrad besteht ein Risiko, dass aus der Zellveränderung eine bösartige Erkrankung entsteht.

Leichte Zellveränderungen haben dabei nur ein sehr geringes oder kein Risiko und sind deshalb harmlos. Das höchste Risiko haben schwere Zellveränderungen. So nimmt man an, dass aus 30% der schweren Zellveränderungen am Gebärmutterhals ein Gebärmutterhalskrebs entsteht. Die Entwicklung von der Infektion bis zu einer Zellveränderung und dann einem Krebs dauert zumeist mehr als 10 Jahre.

Auszug aus den Leitlinien (Stand Dezember 2013)
Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinva-siver Läsionen des weiblichen Genitale AWMF 082/002 (S3 Leitlinie)

Anfang der 1980er Jahre belegten umfangreiche molekularbiologische und epidemiologische Studien den Zusammenhang von HPV-Infektion und Entwicklung von zervikalen Dysplasien und Gebärmutterhalskrebs. Heute sind mindestens 15 verschiedene sogenannte Niedrigrisiko HPV-Typen (HPV 6, 11, 40, 42, 43, 44, 54, 61, 62, 70, 71, 72, 74, 81,83) als Verursacher von Genitalwarzen bzw. niedriggradigen Dysplasien beschrieben.

Die Rolle von 12 Hochrisiko HPV-Typen (HPV 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59) bei der Entstehung von hochgradigen Dysplasien bzw.Gebärmutterhalskrebs gilt als gesichert, für 13 weitere (HPV 26, 30, 34, 53, 66, 67, 68, 69, 70, 73, 82, 85, 97) wird eine Beteiligung vermutet aufgrund begrenzter epidemiologischer Evidenz bzw. phylogenetischer Verwandtschaft mit anerkannten oder vermuteten Hochrisiko HPV-Typen.

Humane Papillomviren infizieren ausschließlich das Plattenepithel der Haut oder der Schleimhäute. Das klinische und histopathologische Erscheinungsbild der durch Papillom Viren hervorgerufenen Veränderungen ist sehr unterschiedlich und reicht von unscheinbaren flachen Warzen über Kondylome bis zu plattenepithelialen Krebsvorstufen (sogenannten „intraepithelialen Neoplasien) oder gar invasiven Karzinomen. Mit Ausnahme der hochgradigen Krebsvorstufen und Karzinome findet in diesen Läsionen die Virusvermehrung statt und es sind virale Partikel in den oberen Lagen des Epithels nachweisbar.

HPV werden durch direkten Kontakt übertragen. Da sie aber resistent gegen Austrocknung sind, könnten auch Schmierinfektionen über kontaminierte Oberflächen vorkommen. Für die genitalen HPV-Typen gilt Sexualkontakt als Hauptinfektionsweg. Die meisten HPV-Infektionen werden durch das Immunsystem frühzeitig erkannt und eliminiert, ohne dass klinisch relevante Läsionen entstehen. In etwa 40% der Fälle können die Infektionen jedoch über mehr als 6 Monate persistieren und ggf. zu hochgradigen intraepithelialen Neoplasien progredieren.

Infoblätter des dkfz zum Thema HPV:
Humane Papillomviren – Ein Risiko für die Gesundheit?
Was leistet die HPV-Impfung?

Quellen: Munoz N et al.: Against which human papillomavirus types shall we vaccinate and screen? The international perspective. Int J Cancer. 2004 Aug; 11: 278-285 [1] Peyton,C.L., Wheeler,C.M.; Identification of five novel human papillomaviruses in the New Mexico triethnic population; J. Infect. Dis. (1994) In press